Mavrodaphne und Avgustiatis – zwei Facetten einer der spannendsten roten Rebsorten Griechenlands und des Mittelmeerraumes

Am 20. Mai 2024 trafen sich Weinexpert:innen beim Network of Co‑Hospitality in Kooperation mit der Region Westgriechenland und der Universität Patras im historischen Weingut Achaia Clauss in Patras. Im Zentrum stand die Vielfalt griechischer roter Rebsorten, ein Thema, das auch für den Handel auf griechenlandweine.de große Bedeutung hat. Dort präsentierten wir unsere Forschungsarbeit zu roten und schwarzen Rebsorten sowie zur Wildrebenflora des westlichen Peloponnes und der Ionischen Inseln.

Forschung und Erhalt griechischer Rebsorten mit Hellenifera

Die Initiative Hellenifera – ein Gemeinschaftsprojekt von V&B und der französischen Organisation Ampèles et Unes (IEV) – arbeitet seit 2004 an der Erfassung und Erhaltung autochthoner griechischer Rebsorten. In mehr als 450 Parzellen auf dem griechischen Festland und den Inseln wurden über 2.000 Klone dokumentiert. Von ursprünglich 332 Rebsorten sind rund 250 registriert, 134 Sorten werden aktuell in Erhaltungsprogrammen gepflegt und für den offiziellen Rebsortenkatalog vorbereitet.

Avgustiatis – Mythos und moderne Einordnung

Avgustiatis wurde erstmals im Jahr 1601 erwähnt und gilt historisch als eigenständige rote Rebsorte auf Zakynthos. In der Nationalen Sortensammlung Griechenlands ist Avgustiatis als separate Sorte gelistet, ebenso wie Varianten wie Algos. Mehrere Identifizierungsprogramme zeigten, dass Avgustiatis in traditionellen Beschreibungen lange Zeit als eigene Sorte verstanden wurde.

Dennoch zeigen moderne DNA‑Analysen, dass Avgustiatis genetisch mit der bekannten griechischen Sorte Mavrodaphne identisch ist. Das bedeutet: Avgustiatis ist kein eigenständiger genetischer Typ, sondern eine klonale Variation innerhalb der Mavrodaphne‑Population. Der Unterschied liegt in der physiologischen Ausprägung: Avgustiatis weist eine weniger verholzte Zellstruktur auf, was sich auf Saft‑/Schalen‑Relation, Phenol‑ und Tanningehalte sowie Aromaprofile auswirkt.

Tatsächlich ist Avgustiatis im Wein oft leichter, frischer und fruchtiger, während klassische Mavrodaphne‑Klone – beispielsweise der Tsigello‑Typ – meist dichter, komplexer und strukturierter erscheinen. Das unterstreicht: gleichaussehende Gene können unterschiedliche sensorische Ausdrucksformen hervorbringen, abhängig von Epigenetik, Terroir, Erziehungsformen und Ausbauweise.

Bei uns auf griechenlandweine.de findest du dazu jeweils eigene Seiten mit Tiefe und Weinauswahl:

Sensorische Vielfalt trotz genetischer Einheit

Warum schmecken Avgustiatis und Mavrodaphne dann so unterschiedlich, wenn sie genetisch identisch sind? Die Antwort liegt in mehreren Faktoren:

  1. Klonale Variabilität: Innerhalb einer Sorte gibt es stabile Klone mit unterschiedlichen physiologischen Eigenschaften.
  2. Epigenetik: Umwelt, Klima und Boden beeinflussen die Genexpression, nicht die DNA selbst.
  3. Weinbauliche Parameter: Reifezeitpunkt, Mostgewicht, Säureprofil und Ausbau (trocken vs. süß, reduktiv vs. oxidativ) formen das Aromaprofil.

So entsteht trotz gemeinsamer genetischer Basis eine beeindruckende sensorische Bandbreite, die griechische Rotweine so spannend macht. Mavrodaphne kann kraftvoll, kirschig und würzig sein, Avgustiatis typischerweise fruchtbetont, lebendig und zugänglich – beide bereichern das Sortiment von Griechenlandweine.de als Ausdruck regionaler Vielfalt.

Fazit: Eine Sorte, viele Gesichter

Avgustiatis ist eine klonale Variation der Mavrodaphne, vergleichbar mit den Biotypen Tsigello und Regnio, die sich in Beerenform, Reifezeit und Aromaprofil unterscheiden. Avgustiatis und Mavrodaphne stehen exemplarisch für die Komplexität griechischer Rebsorten:

  • genetisch identisch,
  • physiologisch differenziert,
  • sensorisch verschieden,
  • historisch unterschiedlich interpretiert.

Diese Vielfalt macht es möglich, das Terroir Griechenlands in jedem Glas erneut zu entdecken. Bei Griechenlandweine.de findest du eine sorgfältig kuratierte Auswahl dieser faszinierenden roten Rebsorten – von traditionellen Klassikern bis zu seltenen autochthonen Profilen. Hier geht es zu unserem